Narrenzunft Gelb-Rot:  

Eine Säule im Koblenzer Karneval

Teil I

1937 - 2002



Rosemontagszug 1914
Postkartenansicht zur Verfügung gestellt von H.J. Schmitt

Hinweis: Derzeit ist unter der Federführung von Kurt Messerschmidt eine vollständige Chronik der Narrenzunft Gelb Rot fertiggestellt. Sie wird in Teilen in unserer Festschrift zum Jubiläum erscheinen. Die komplette Chronik werden wir auf einer CD für Interessierte gegen eine Schutzgebühr Anfang des Jahres zur Verfügung stellen. Näheres folgt.

Seit 66 Jahren immer für Überraschungen gut

1937 - 1964

Offiziell besteht die angesehene Narrenzunft Gelb-Rot seit 1937. Doch ihre Wurzeln reichen bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, als einige Mitglieder des damaligen Post- und Telegraphen-Gesangvereins "Blitz" auf die Idee kamen, einen Vergnügungsausschuss zu gründen, um ihren Kollegen etwas anderes zu bieten, als "nur" Chorgesang und Volkslieder. So organisierte man unter anderem Maskenbälle und wenig später närrische Sitzungen. Aus diesen Anfängen ging dann vor exakt 66 Jahren die Narrenzunft Gelb-Rot hervor. An der Spitze des Vereins standen damals:

                           

2 x Jupp Becker: 1954 beim Tanz und beim Rosenmontagszug


Josef Gröbel    1. Vorsitzender
Jupp Becker     Präsident
Peter Zappay    stellvertretender Präsident

 

 

                                                        Sitzungspräsident Walter Gorges im Rosenmontagszug                 Foto: unbekannt
 

 

Die Mitglieder rekrutierten sich aus Mitarbeitern der damaligen Reichspost. Außenstehende wurden nur in Ausnahmefällen zugelassen, unter der Bedingung, dass zwei Postangehörige für sich bürgten. Ziel des Vereins: "Pflege und Verbreitung der Heimatsprache und Gebräuche, die Förderung des rheinischen Karnevals im vaterstädtischen Interesse, sowie die Neubelebung des Fremdenverkehrs."

Die Farben Gelb und Rot wählten die Postler mit Bedacht: gelb leuchteten die Briefkästen vor 1933, rot oder blau waren sie danach gestrichen.

Funkencorps 1937 beim Rosenmontagszug

Der erste Rosemontagszug nach dem Krieg 20.2.1950 unter zahlreicher Beteiligung von Gelb-Rot

1952: Die Gelb-Roten beim Romozug (am Straßenrand französische Besatzungssoldaten) Foto: Heinz Zitz

  

                        Mottowagen 1954 (Schneckenpost)                                              Familie Erich Maurer (Funkenkommandant)


Die Verbundenheit mit den einstigen Vereinsgründern dokumentiert das Posthorn im Wappen der Gesellschaft. Heute zählt der Verein rund 500 Mitglieder, davon 140 Aktive in Uniform. Im Verlauf der Vereinsgeschichte stellte man bis jetzt fünf Prinzenpaare, das sechste wird im Jahr 2003 folgen.  


Doch zurück zur Geschichte: Nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg und den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren musste auch die Narrenzunft wieder bei Null beginnen. Schon in der Session 1947/48 startete man kleinere Veranstaltungen und im Mai 1948 kam es im historischen "Brauhaus" zur offiziellen Wiedergründung des Vereins. Ab 11.11.1949 fanden alle Veranstaltungen der Narrenzunft Gelb-Rot im Lokal "Remy Küster" in der Schanzenpforte statt. Ab 1954 zog es die Gelb-Roten mit ihren Sitzungen und Maskenbälle in die Räumlichkeiten des "Katholischen Lesevereins" bis dann im Jahr 1962 die Rhein-Mosel-Halle bezogen wurde. 

Rosemontag 1956 mit Sitzungspräsident Walter Gorges

1957 stellte man aus Anlass des 20jährigen Bestehens mit Walter Gorges (Prinz Walter vom Goldenen Posthorn) erstmals die Tollität in Koblenz.

                     

Prinz Walter (Gorges) vom Goldenen Posthorn mit Gefolge

Unter seiner "Regie" fanden auch Besuche in anderen Hochburgen des Karnevals statt wie hier zum Beispiel bei "Mainz wie es singt und lacht".

 Fünf Jahre später folgte mit Helmut Queng, dem "Närrischen Postillon", der zweite Prinz. In dessen Session fand wegen der Flutkatastrophe in Hamburg und dem Bergwerksunglück an der Saar kein Rosenmontagszug statt, so dass Queng auch für die Session 1963 in Amt und Würden blieb.


Helmut Queng und Werner Loos

  1964 - 1980  

Der Durchbruch zu einer der bedeutensten Koblenzer Gesellschaften gelang Gelb-Rot 1964 mit der Großveranstaltung "Die Post tanzt, singt und lacht". Organisator war der heute Ehrenpräsident Kurt Messerschmidt. Ein weiterer Höhepunkt wurde der große Kostümball in allen Sälen der Rhein-Mosel-Halle mit Star-Ensembles wie dem Osterwald-Sextett, Jochen Brauer, Roy Etzel, Roland Baker oder Pepe Lienhard sowie die traditionelle "Beerdigung der Fassenacht am Fastnachtsdienstag.

1967 stellte Gelb-Rot erneut den Prinzen: Günther Lonz (von Telex und Postalien) wurde mit seinem Hofstaat wie seine Vorgänger von den Koblenzern umjubelt. Ein Ereignis seiner Regentschaft verdient besondere Erwähnung: Lonz reiste als erster Prinz an der Spitze einer Abordnung von Koblenzer Karnevalisten zur "Hornsey Carnival Association" im Londoner Stadtteil Haringey und legte damit gewissermaßen den Grundstein zur Partnerschaft zwischen den beiden Städten.

1973 wurde eine "Erfindung" der Gelb-Roten vorgestellt: Die bis heute berühmte (und berüchtigte) Nachthemdensitzung nur für Männer. Ins gleiche Jahr fallen der erste Ökumenische Altennachmittag auf der Pfaffendorfer Höhe und die Gründung des Offizierskorps. Seit 1975 werden alljährliche Veranstaltungen im Herz-Jesu-Haus Kühr für die dort lebenden behinderten Menschen durchgeführt.

1977 - zum 40jährigen Jubiläum - stellte man erneut den Prinzen: Walter Dahmen (vom Blumeneck) und an seiner Seite Confluentia Edith Hoernchen wurden mit ihren charmanten Pagen und dem prächtigen Hofstaat zum Mittelpunkt des närrisch-gesellschaftlichen Lebens in der Rhein-Mosel-Stadt. Im gleichen Jahr fand der erste Maskenball "wie zu Opas Zeiten" in der Stadthalle statt. Erst das allgemein nachlassende Interesse für Bälle versetzte diesem originellen Maskentreiben nach zehn Jahren den "Todesstoß".

1981 -  1997

1981 kam es im Vorstand zu einem Revirement: Willi Valerius, der den Verein seit 1958 als Vorsitzender geführt hatte, übertrug sein Amt auf Heinz Hoernchen. Und Präsident Kurt Messerschmidt, der seit 1971 mit viel Erfolg, Witz und Humor die Narrenschelle geschwungen hatte, übergab eben diese Schelle an Detlef Schöning. Im gleichen Jahr gründete sich extern der Freundeskreis "Zuchvielcher", die mit ihren tollen Kostümen viele Preise für Fußgruppen bei zahlreichen Rosenmontagszügen "abräumten".

Eine Gruppierung innerhalb des Vereins verdient an dieser Stelle besondere Erwähnung: Die erfolgsverwöhnte und mit vielen Preisen ausgezeichnete Schowtanzgruppe um Leiterin Ellen Friedrich-Gaul. Die jungen Damen und Herren dieser Meister-Formation sind mit ihren Auftritten strahlender Mittelpunkt vieler Veranstaltungen nicht nur im Karneval.

1984 wird das Kinderkorps ins Leben gerufen, ein Jahr später das Damenkorps. Zum 50jährigen Bestehen in 1987 regieren Prinz Claus (Hünermann) und Confluentia Anke (Valerius) in den gelb-roten Farben die Koblenzer Narrenwelt. 1988 kommte es zu einem erneuten Wechsel an der Vereinsspitze. Vorsitzender wird Walter Degen, neuer Sitzungspräsident Hans-Jürgen Pinter. 1994 übernimmt Walter Degen auch das Amt des Sitzungspräsidenten bis 1995 Detlef Schöning als Präsident reaktiviert wird. Degen tritt nach der Session 1997 aus gesundheitlichen Gründen zurück.

1991 wagt sich dann Gelb-Rot mit ihrem Geschäftsführer Rudolf-Heinrich Reinhardt an eine neue große Herausforderung: Der Bund deutscher Karneval (BDK) überträgt ihnen die Ausrichtung des 2. Qualifikationsturnier in karnvevalistischen Tänzen. Die riesige organisatorische Herausforderung in der Rhein-Mosel Halle gelingt so gut, dass auch in den Nachfolgejahren die Ausrichtung dieser Qualifikation in die Hände von Gelb-Rot gelegt und im Jahre 1999 durch die Organisation der Süddeutschen Meisterschaft (quasi das Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft) noch gesteigert wird. Hierfür ist die Rhein-Mosel Halle viel zu klein geworden und seit 1998 werden die Turniere mit einem gewaltigen logistischen Aufwand in der Großsporthalle Oberwerth veranstaltet.
 

1997 - 2002

Gerd Kesseler stellt sich als Interims-Präsident zur Verfügung bis Frank Ackermann die Narrenschelle fest in beide Hände nimmt. An der Spitze des traditionsreichen Vereins leitet Walter G. Rathmann als Vorsitzender mit Umsicht und Erfolg die Geschicke der närrischen Kooperation.

2000 tritt Walter G. Rathmann zurück und überläßt es Walter Holzknecht die Geschicke von Gelb-Rot zu leiten. Unter der bewährten Leitung von Frank Ackermann wird viel Neues ausprobiert. Die zuletzt weniger gut besuchten Sitzungen am Sonntagnachmittag wird durch "Kölle Alaaf in Kowelenz" ersetzt und ist auf Anhieb ausverkauft. Das Programm spricht die Narren an und so ist diese Sitzung auch im Jahr 2001 blitzschnell ausverkauft. Auch die zweite Sonntagsnachmittagssitzung erhält ein geändertes Programm. Sie wird in Zusammenarbeit mit TVT 1 (bis 2001 Kanal 10) als Fernsehsitzung durchgeführt und ist im Fernsehen zu bewundern.

Trotz einiger weniger kritischer Stimmen stand der erste Sitzungsnachmittag 2001 wieder unter dem Motto "Kölle Alaaf in Kowelenz". Zum zweiten Mal hatte Frank Ackermann Kölner Spitzenstars und Gruppen in die Rhein-Mosel-Halle verpflichtet und 1.111 zahlende (!) Zuschauer waren außer Rand und Band. Der absolute Höhepunkt war in dieser Sitzung wohl das Süper Duett. Frank Ackermann war es gelungen Hans Süper mit seinem Partner in ihrem letzten aktiven Jahr nach Koblenz zu holen.


Foto: Oliver Schupp

Am 9. Februar 2001 gab es die letzte Nachthemdensitzung. Letzte deshalb, weil diese Veranstaltung durch bestimmte Publikumsgruppen leider ziemliche Federn im Niveau gelassen hatte. Manche gebärdeten sich angesichts eines harmlosen (weil unvollständigen) Strips als ob sie nach jahrelangem Aufendhalt in der Wüste zum ersten Male wieder ein weibliches Wesen zu Gesicht bekommen hätten. Dies war auf den Alkoholpegel zurückzuführen, mit dem die Gäste bereits den Saal betraten. So war Streit vorprogrammiert und es kamen einige unangenehme Dinge vor. Dies hat zu der Einsicht geführt, einem begrenzten, dafür aber einem an der Sitzung interessierten Publikum eine niveauvolle Herrensitzung mit reinem karnevalistischem Programm zu bieten. Einzig„"Vanessa“ darf noch als Nummerngirl ihre Reize zeigen.

Trotz der Einführung der„Kölsche Tön" in Koblenz wurde Frank Ackermann der "Goldene Schängel“ der KG Kowelenzer Schängelcher für seine Verdienste um den Koblenzer Karneval, auch als Fernsehmann, verliehen. Eine große Abordnung des Vorstandes begleitete ihn zu dieser Ehrung. Die Laudatio hielt Gerd Kesseler, der Ackermann auch vor den Ratschlägen von Manfred Gniffke  in Schutz nahm.

Krönender Abschluß wie jedes Jahr der Rosenmontagszug. Dass Frank Ackermann an diesem Tag seinen beruflichen Pflichten als Moderator nachgehen muss und nur ein kurzes Stück in der Schloßstraße auf seinem Platz auf dem Elferratsschiff sein kann, ist ja bekannt. Aber haben sie gesehen wer mit dem 1. Vorsitzenden dort stand? Die neue Schirmherrin, Frau Waltraud Litzenberger, ließ es sich nicht nehmen selbst Kamelle unters Volk zu bringen. Damit haben wir einen Schirmherr gefunden der sich hervorragend mit unserer Gesellschaft identifiziert und auf jeder Veranstaltung von Gelb-Rot zu finden ist!

Das elfte Tanzturnier, das die Narrenzunft Gelb-Rot ausrichtete, war auch das letzte für Cheforganisator Heinrich-Rudolf Reinhardt. Nach 10 Qualifikationsturnieren und einer Süddeutschen Meisterschaft möchte er sich nach seiner Ehefrau Heidi und Gelb-Rot seinem dritten großen Hobby, seiner Yacht mehr widmen. So wurde „Rolli“, der für seine Aktivitäten mit dem großen Verdienstorden des Landesverbandes Rhein-Mosel-Lahn im Bund Deutscher Karneval, der nur einmal im Jahr verliehen wird und der Ehrensportnadel der Stadt Koblenz, ausgezeichnet.

Traditionsgemäß begann die Session 2001/2002 mit der festlichen Sessionseröffnung im November 2001. Vorstand und Präsidium hatten geladen und viele Freunde unserer Narrenzunft fanden den Weg in das Haus Horchheimer Höhe. Unter ihnen Staatsminister Herbert Mertin und  Heinz W. Pritzl die beide das goldene Posthorn überreicht bekamen. Von den vielen Ehrungen die intern für die Mitglieder anstanden ist die Ehrenmitgliedschaft für Erich Maurer und die Ernennung von Walter Degen zum Ehrenvorsitzenden besonders zu erwähnen.


Staatsminister Herbert Mertin, Heinz W. Pritzl und Frank Ackermann

Foto: T. Frey (aus Rhein-Zeitung Koblenz)


Das Sessionsjahr 2002 begann mit einem Paukenschlag. Die Kostümsitzung am 12.1.2002 war zwar nicht ausverkauft, aber laut Rhein-Zeitung (und Zuschauern) die beste Sitzung seit Jahren. Der Redakteur (den Gelb-Roten völlig unbekannt) überschlug sich vor Begeisterung. Die Bierbar im Foyer klagte über Umsatzrückgang (um 23.30 Uhr standen ganze 6 Kunden an der Bar) und die Zuschauer waren begeistert. Unglaublich aber wahr: das Ganze wurde noch getoppt von der Sitzung "Kölle Alaaf in Kowelenz" am nächsten Tag. Vor ausverkauftem Haus präsentierte Frank Ackermann ein sechsstündiges Spitzenprogramm bei dem niemand auf den Stühlen blieb und keiner vorzeitig nach Hause ging. Und trotz vielem Bangen: auch die Herrensitzung wurde ein voller Erfolg - Stimmung wie seit langem nicht mehr und kaum noch Probleme.

 

Die Zielsetzung der Narrenzunft Gelb-Rot wird sein:
Mit Witz, Humor, Farbenpracht, Musik und Tanz den Menschen gute Laune zu vermitteln, das heimatliche Brauchtum zu pflegen und zu fördern und der Devise treu zu bleiben, die da lautet: 

"Fasenacht erst Freude macht, wenn Gelb-Rot tanzt, singt und lacht!"